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  Die Geschichte des Elyseepalasts
  Anfang des 18. Jahrhunderts bestand der heutige Pariser Stadtteil Faubourg Saint-Honoré noch weitgehend aus Weideland und Gemüsegärten mit einzelnen strohbedeckten Häusern.

Auch der Architekt Armand-Claude MOLLET, der angeheiratete Neffe des renommierten Gartenbaumeisters André Le Nôtre, besaß hier - zwischen der Grande Rue du Faubourg Saint-Honoré, einer bescheidenen zum nächsten Dorf, Roule, führenden Straße, und dem Grand Cours (den heutigen Champs-Elysées) - ein Grundstück, das er im Jahre 1718 an Henri-Louis de la Tour d'Auvergne, den Grafen von Evreux, verkaufte. Im Kaufvertrag war festgelegt, daß Armand-Claude Mollet damit beauftragt würde, auf diesem Grundstück ein Palais, und zwar die künftige Residenz des Grafen von Evreux, zu erbauen. 

Auf Wunsch des Grafen errichtete der Architekt das Palais zwischen einem Hof (auf der Straßenseite) und einer Gartenanlage (auf der zu den Champs-Elysées hin gewandten Seite) und legte damit den Grundstein für den späteren Bebauungsplan des gesamten Faubourg Saint-Honoré. Bereits im Jahre 1742 erwähnte Pignol de la Force diesen Stadtteil in seinen Schriften, den er als einen der schönsten von Paris hielt.

Das Palais wurde in den Jahren von 1718 bis 1722 nach den damals üblichen architektonischen Grundsätzen erbaut und ausgestaltet. 

Es gilt auch heute noch als Musterbeispiel klassischer französischer Baukunst: ein Vestibül auf gleicher Achse mit dem Ehrenhof und den Gärten, ein in die Tiefe gebautes, zweiteiliges Hauptgebäude, ein sogenanntes Großes Appartement oder Parade-Appartement, das in seiner Mitte durch einen zum Garten hin offenen Großen Salon geteilt war.

Der Mitteltrakt war dreistöckig angelegt; die beiden Seitenflügel umfaßten dagegen nur ein Erdgeschoß: rechts ein großräumiges Badezimmer und links ein Kleines Appartement mit den Privatgemächern.

Ein monumentales Portal mit vier ionischen Säulen führte zu einem großen Rundhof, umgeben von einem geschlossenen Mauerring mit einer Balustrade. Der majestätische Ehrenhof spiegelte den betont luxuriösen Charakter wieder, den der Graf von Evreux seiner Residenz zu verleihen wünschte. Er war begrenzt durch zwei Mauern mit Arkaden, hinter denen sich die Wirtschaftsgebäude (Stallungen, Küche, Holz- und Wagenschuppen usw.) verbargen. 

Ein französischer Garten mit seiner Hauptallee in der Mittelachse des Palais, seinen Blumenparterres und seinen laubenganggesäumten Kastanienbaumalleen rundete das Gesamtbild harmonisch ab. 

Diese klassische Anordnung ermöglichte alle von den nachfolgenden Besitzern gewünschten Anpassungen. Je nach Verwendungszweck - Adelshotel, Fürstenresidenz oder Präsidentenpalais - und entsprechend dem Geschmack der Bewohner und dem Zeitgeist wurde das Gebäude in der Folgezeit umfassenden Veränderungen unterzogen.

Die Ausstattung der Empfangsräume hat trotz gewisser Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte im wesentlichen ihren ursprünglichen Charakter bewahrt. Die nach Plänen des berühmten französischen Baumeisters Hardouin-Mansart vom Bildhauer Michel LANGE geschnitzten Täfelungen im Großen Salon (Botschafter-Salon) sowie das Dekor des zweiten Vorzimmers (Adjutantensalon), des Paradezimmers (Pompadour-Salon) und des Portraitsalons wurden später nur geringfügig umgestaltet und sind somit zum größten Teil erhalten geblieben.

Bei seinem Tode im Jahre 1753 hinterließ der Graf von Evreux ein Palais, das von allen seinen Zeitgenossen bewundert wurde. Blondel bezeichnete es gar als das "schönste Lustschlößchen in und um Paris".

Jeanne-Antoinette Poisson, bekannter als Marquise de Pompadour, wollte sich in Paris niederlassen und erwarb deshalb das Palais. Sie beauftragte ihren Lieblingsarchitekten, Lassurance, damit, das Paradezimmer neu herzurichten und die Beletage auszubauen. Der Garten wurde neu angelegt und um Säulengänge, Lauben, Kaskaden, ein Labyrinth und eine vergoldete Grotte bereichert. 

Bei ihrem Tod vererbte die Marquise die Residenz Ludwig XV. Im Palais, das zunächst den in Paris weilenden außerordentlichen Botschaftern als Gästehaus diente, wurden später durch königlichen Beschluß vom 14. August 1765 die von Ludwig XV. bei Joseph Vernet in Auftrag gegebenen Gemälde französischer Häfen für "wißbegierige Menschen und Liebhaber der schönen Künste" ausgestellt. 

Im Jahre 1768 diente das Hôtel d'Evreux bis zur Fertigstellung der Gabriel-Gebäude auf dem Platz Louis XV vorübergehend als königliches Möbelmagazin; 1773 wurde es dann an den Bankier Nicolas Beaujon verkauft.

Dieser ließ das Palais, bis er es im August 1786 unter dem Vorbehalt des Nießbrauchs schließlich wieder an Ludwig XVI. abtrat, grundlegend umbauen. Hierzu beauftragte er insbesondere den Architekten Etienne-Louis Boullée damit, den Flügel der Kleinen Appartements zu den Champs-Elysées hin im rechten Winkel zu verlängern. Der heutige Silberne Salon erinnert hinsichtlich seiner Größe noch immer an ein reich mit Spiegeln dekoriertes Boudoir.

In der Galerie entlang der Salons der Kleinen Appartements wurde die Gemäldesammlung des Bankiers bei Tageslichtbeleuchtung ausgestellt. Die Sammlung umfaßte solch bemerkenswerte Gemälde wie Die Zigeunerin von Frans Hals oder Die Gesandten von Hans Holbein. 

Weitere wesentliche Veränderungen wurden im mittleren Pavillon vorgenommen, wo die Alkove des Paradezimmers in einen Halbrund umgewandelt, der Versammlungssaal geteilt, eine geschnitzte Holztäfelung hinzugefügt und in einem Teil des Badezimmers ein Gewächshaus angelegt wurde.

Der einstmals streng geometrische Garten wurde von Grund auf umgestaltet und in Form eines englischen Landschaftsgartens mit Terrassen, Bosketts, gewundenen Alleen und kleinen, in einen Teich mündenden Wasserläufen angelegt. Die damaligen Veränderungen bestimmen auch heute noch das Bild des Parks.

Boullées architektonisches Wirken und die Gemäldesammlung von Nicolas Beaujon machten das Palais zu "einer der prachtvollsten Residenzen von ganz Paris". 

Ludwig XVI. folgte dem Beispiel seines Großvaters und nutzte das Palais wieder für die Unterbringung der in Paris weilenden außerordentlichen Botschafter, bis er es 1787 schließlich an seine Cousine, die Herzogin von Bourbon verkaufte, die ihm vorläufig den Namen "Hôtel de Bourbon" gab. Pierre-Adrien Pâris modifizierte zu einem gewissen Grad Boullées Werk. Das Schlafgemach der Herzogin wurde teilweise auf der Gemäldegalerie geschaffen; heute befindet sich in ihm die Bibliothek Napoleon III. 

Während der Revolution und insbesondere nach der Verhaftung der Herzogin im April 1793 wurde das Hôtel de Bourbon für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt: 1794 beherbergte es die Gesetzgebungskommission und die Druckerei des Gesetzblattes, wurde jedoch bereits einige Monate später in ein zentrales Lager für von Auswanderern und Verurteilten beschlagnahmte Möbel umfunktioniert. 

Die 1795 freigelassene Herzogin von Bourbon durfte im Januar 1797 wieder in ihre Pariser Residenz zurückkehren. Um ihren Unterhalt bestreiten zu können, vermietete sie das Erdgeschoß des Palais an einen Unternehmer namens Hovyn und gestattete diesem, in den Salons und Gartenanlagen öffentliche Bälle zu veranstalten. Damit die Gäste zwischen Hof und Garten ungehindert verkehren konnten, mußte man einen Durchgang durch die beiden Arkaden schaffen, die sich rechts und links von der Eingangstür des zum Großen Salon führenden Vestibüls befanden.

Zu dieser Zeit wurde das Gebäude in Anlehnung an die ganz in der Nähe liegende Promenade "Champs-Elysées" schließlich "PALAIS DE L'ELYSÉE" getauft.

Von ihrem spanischen Exil aus ließ die Herzogin von Bourbon das Palais durch Versteigerung verkaufen; erworben wurde es von der Familie Hovyn. Teile des Palais wurden daraufhin als Wohnungen vermietet. So kam es, daß vorübergehend auch der Graf und die Gräfin Léon de Vigny sowie deren vierter Sohn, Alfred, im Elysée-Palast Quartier bezogen. Als Feste und Bälle aus der Mode gekommen waren, sah sich die Tochter von Hovyn 1805 gezwungen, das Palais zu verkaufen, um ihre Schulden abzahlen zu können.

Joachim Murat, Napoleons Schwager, Marschall und kaiserlicher Prinz, erwarb es. Da er das einstige Hôtel d'Evreux in neuem Glanze erstrahlen lassen wollte, beauftragte er Barthélémy Vignon, den späteren Erbauer der Madelaine-Kirche, und Barthélémy Thibault mit dessen Restaurierung und Umbau.

Diesen beiden Baumeistern verdankt der Elysée-Palast die Große Treppe auf der linken Seite des Ehrenvestibüls und die als Ballsaal genutzte Gemäldegalerie (den heutigen Salon Murat), die durch die Zusammenlegung des Speisesaals Beaujon und der benachbarten Kapelle entstand. Im Westflügel wurde außerdem ein Bankettsaal eingerichtet.

Im Seitenflügel der Kleinen Appartements waren die Privatgemächer von Caroline Murat untergebracht. Heute ist davon nur noch ein einziges Zimmer erhalten - der Silberne Salon. Die erste Etage des Mittelbaus wurde vom Prinzen für unterschiedliche Zwecke genutzt; die zweite Etage war den beiden Kindern, Caroline und Joachim, vorbehalten. Napoleon stellte später dieses Stockwerk seinem Sohn, dem König von Rom, zur Verfügung.

Als Murat 1808 König von Neapel wurde, übereignete er dem Kaiser alle seine Besitztümer in Frankreich, darunter auch den Elysée-Palast. Der Palast, nunmehr Palais Elysée-Napoléon genannt, war fortan untrennbar mit der Geschichte Frankreichs verbunden.

Napoleon bezog Carolines Appartement und bewohnte das Palais vom 1. März 1809 bis zu seinem Österreichfeldzug. Nachdem er es bei seiner Scheidung Joséphine überlassen hatte, ergriff er jedoch 1812 erneut Besitz davon und erlebte hier die letzten Stunden des Empire. Im Silbernen Boudoir unterzeichnete er seine Abdankungsurkunde.

Während der Besetzung von Paris durch die Heere der Siegerkoalition residierte Zar Alexander im Elysée-Palast. Im November 1815 wurde er dann dem Herzog von Wellington zur Verfügung gestellt.

Im Jahre 1816 kehrte das Palais endgültig wieder in den Besitz der französischen Krone zurück. Ludwig XVIII. teilte es seinem Neffen, dem Herzog von Berry, anläßlich dessen Vermählung mit Marie-Caroline von Bourbon-Sizilien zu. Der Bankettsaal wurde daraufhin in eine Orangerie umgewandelt.

1820 nahm Louis Philippe den Elysée-Palast in Besitz und stellte ihn bis 1848 den in Paris weilenden ausländischen Besuchern Frankreichs als Gästehaus zur Verfügung. Die provisorische Regierung der Zweiten Republik gab dem Palais den Namen "Elysée National" und machte die Gärten der Öffentlichkeit zugänglich.

Am 12. Dezember 1848 erklärte die Nationalversammlung das Palais "Elysée National" per Dekret zum Amtssitz des Präsidenten der Republik. 

Der Prinz und Präsident Louis Napoleon bezog das Palais am 20. Dezember 1848, bis er 1852 als Kaiser Napoleon III. in die Tuilerien übersiedelte. Als 1853 Eugénie de Montijo, die Braut des Kaisers, im Palais Domizil nahm, beschloß Napoleon III., es durch einen neuen Architekten, Joseph-Eugène Lacroix, vollständig renovieren zu lassen.

Die heutigen Strukturen des Palais stammen im wesentlichen aus dieser Zeit, und die 1867 abgeschlossenen Arbeiten stellten die letzten großen baulichen Veränderungen dar.

Von den Umbauarbeiten betroffen waren zunächst der an die Avenue Marigny angrenzende Westflügel und danach die Empfangsräume im Parterre sowie das Appartement in der Beletage.

Darüber hinaus ließ der Kaiser die Avenue de la Reine Hortense (die heutige Rue de l'Elysée) anlegen und die Kleinen Appartements auf die doppelte Fläche erweitern, indem eine zusätzliche Etage hinzugefügt wurde. Das Silberne Boudoir blieb dabei unverändert. 

Die Empfangsräume des mittleren Pavillons wurden mit einer weiteren Türenflucht ausgestattet. Im Ratssalon (dem heutigen Portraitsalon) wurden die Wandgemälde über den Türen, auf denen bei Madame de Pompadour Musen und im Empire Portraits der Kaiserfamilie zu sehen waren, durch Portraits europäischer Staatsoberhäupter ersetzt. 

Die erste Etage des mittleren Pavillons wurde völlig neu dekoriert. Der Künstler Jean-Louis Godon wurde mit der Gestaltung des Großen Salons und des Badezimmers betraut, wobei er von Charles Chaplin unterstützt wurde.

Eine neue Kapelle wurde im Ehrenhof des Erdgeschosses im Ostflügel errichtet, und ein in der Verlängerung des Salons Murat begonnener Ballsaal für Marschall Mac-Mahon vollendet.

Das alte Eingangsportal mußte einer Tür in Triumpfbogenform weichen, und in die zur Rue du Faubourg Saint Honoré gelegene Fassade wurden Fenster eingesetzt.

Pünktlich zur Weltausstellung von 1867 waren die Arbeiten abgeschlossen, so daß gekrönte Häupter aus aller Welt im Elysée empfangen werden konnten: Zar Alexander II., der türkische Sultan Abdul-Aziz und Kaiser Franz-Josef von Österreich. 

Nach dem Sturz des Zweiten Empire nahm das Palais erneut den Namen "Elysée National" an. Während des Aufstands der Pariser Kommune erlitt es keinerlei Schaden; und THIERS, Chef der Exekutive im Februar 1871 und ab August Präsident der Dritten Republik, bewohnte das Palais sogar zeitweise. Sein im Mai 1873 gewählter Nachfolger, Marschall MAC-MAHON, errichtete im September 1874 im Elysée-Palast seinen ständigen Amtssitz. 

Ab diesem Zeitpunkt diente der Elysée-Palast allen Präsidenten der Französischen Republik als offizieller Sitz.

Damit das Palais seiner Funktion als Amtssitz des Präsidenten der Republik gerecht werden konnte, waren gewisse architektonische Anpassungen erforderlich. Der neugeschaffene und 1889 eingeweihte Festsaal war Schauplatz der Festivitäten anläßlich der Pariser Weltausstellung.

Während der Dritten Republik erfuhr der Präsidentenpalast keine größeren Umbauten. Er mußte jedoch modernisiert werden, weshalb Telefon, Strom, Zentralheizung und "moderner Komfort" installiert wurden. Lediglich die Nutzung der Räume und deren Ausstattung änderten sich je nach den Bedürfnissen und dem Geschmack der jeweiligen Amtsinhaber.

Während des 2. Weltkrieges mußte das Palais am 13. Juni 1940 seine Pforten schließen, bis es Vincent AURIOL 1946 wieder zum Amtssitz des Präsidenten der Republik machte. Während seiner Präsidentschaft wurden die Ankleidegalerie und das Halbrund des Pompadour-Salons entfernt. ARBUS und LELEU, zwei zeitgenössische Innenarchitekten, wurden damit beauftragt, die erste Etage des mittleren Pavillons neu zu gestalten.

Auch die Fünfte Republik behielt den Elysée-Palast als Amtssitz des Präsidenten bei. Die räumliche Aufteilung wurde jedoch grundlegend geändert, um den neuen Erfordernissen des Präsidentenamtes gerecht zu werden. 

Die Räume der ersten Etage des mittleren Pavillons wurden in Büros umgewandelt. Der Goldene Salon dient dem Präsidenten als Arbeitszimmer; die wichtigsten Mitarbeiter des Präsidenten sind im ehemaligen Appartement der Kaiserin Eugénie untergebracht. 

Der Saal für die Ministerratssitzungen wurde vom Portraitsalon im Erdgeschoß in den ehemaligen privaten Speisesaal im ersten Stock verlegt. 

Im Ostflügel wurden die Wohnungen eingerichtet: in der ersten Etage die Privatgemächer und im Erdgeschoß die halboffiziellen Räume. 

Diese neue Raumaufteilung, die der klassischen Anordnung der Residenzen des 18. Jahrhunderts entsprach, wurde auch von den Nachfolgern Charles de Gaulles beibehalten. Lediglich der Saal für die Ministerratssitzungen wurde während der Präsidentschaft Georges Pompidous noch einmal verlegt, und zwar in den Salon Murat. 

Der Inneneinrichtung der Privatgemächer und der halboffiziellen Räume verlieh jedes Staatsoberhaupt seine persönliche Note. Und wie Präsident Vincent AURIOL zogen auch Georges Pompidou und François Mitterrand zeitgenössische Künstler für deren Ausgestaltung hinzu.

Trotz vielfältiger Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte zeichnet sich der Elysée-Palast auch heute noch durch seine große architektonische Kohärenz aus.

Als offizieller Wohn- und Amtssitz des französischen Staatspräsidenten ist dieses ehemalige Adelspalais zu einem Symbol der Republik geworden.